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Die Fett-weg-Spritze (Injektionslipolyse)

Was ist das ?

Die Injektionslipolyse - in den Medien oft "Fett-weg-Spritze" genannt - ist eine Methode, um Körperfett in oberflächennahen Bereichen zu entfernen. Dazu werden in dem vorgesehen Areal ein Reihe von Injektionen gesetzt, die eine Auflösung der Fettpolster bewirken.

Was wird injiziert?

Verwendet wird Phosphatidylcholin, ein Wirkstoff der aus Soja gewonnen wird und zu einer Stoffklasse gehört, die Bestandteil der Zellmebran jeder lebenden Zelle ist. Phosphatidylcholin ist in der Lage Fett aufzulösen und wird seit vielen Jahren zur Senkung eines erhöhten Cholesterinspiegels und sogar intravenös zur Behandlung von Fettembolien, also zur Auflösung von Fettansammlungen in den Blutgefäßen, eingesetzt. Ein entsprechendes Medikament ist für diesen Anwendungsbereich seit 30 Jahren zugelassen.
Phoshatidylcholin wird nicht nur bei Cholesterinproblemen genutzt sondern auch schon lange im Rahmen einer erfahrungsheilkundlichen Behandlungsmethode, der Mesotherapie eingesetzt. Auch hier wird das Mittel an bestimmte Punkte injiziert. Unter anderem werden mit der Mesotherapie Arteriosklerose, Bluthochdruck und Leberprobleme behandelt. Phoshatidylcholin wird also seit vielen Jahren erfolgreich und ohne Nebenwirkungen in einem breiten medizinischen Spektrum angewendet.

Das Problem der Zulassung

Das Medikament Lipostabil, das den Wirkstoff Phoshatidylcholin enthält, ist bereits seit vielen Jahren in Deutschland zur Senkung eines erhöhten Cholesterinspiegels und für die intravenöse Anwendung zur Vorbeugung und Behandlung von Verstopfungen der Blutgefässe durch Fettpartikel (Fettembolie) zugelassen. Für die spezielle Verwendung in der Injektionslipolyse steht hier in Deutschland die Zulassung noch aus. Das Medikament wird deshalb im so genannten „Off-Label-Verfahren“ angewendet. Dies bedeutet, dass eine besonders sorgfältige Beratung und Aufklärung durch den behandelnden Arzt gewährleistet sein muss und daß das ausdrückliche Einverständnis des Patienten zu dieser Form der Nutzung erforderlich ist. Dieses Off-Label-Verfahren ist weltweit ein üblicher Vorgang. Darunter fällt z.B. auch das Spritzen des Anti-Faltenmittels Botox, das in Deutschland nach wie vor für kosmetische Zwecke nicht zugelassen ist. Dieses ursprüngliche Nervengift wird aber heute tausendfach und von den meisten Behandlern in der kosmetischen Medizin – und zwar auch nur bei ausdrücklicher schriftlicher Zustimmung des Patienten – angewendet.

Wie enstand die Injektionslipolyse?

Die Hautärztin Patrícia Rittes kam in Brasillien im Jahr 1995 auf die Idee, daß die fettauflösenden Eigenschaften, die der Wirkstoff Phoshatidylcholin bei Fettembolien zeigt, auch bei Fettansammlungen außerhalb der Gefäße hilfreich sein könnten. Sie begann Fettpölsterchen unter den Augen (Tränensäckchen) mit Phosphatidylcholin zu behandeln. Das Ergebnis war mehr als zufriedenstellend. Dr. Rittes hat dann bei 30 Patienten die Wirksamkeit des Mittels anhand von vorher-Nachher-Fotos dokumentiert und veröffentlicht (Dermatol Surg 2001 Apr;27(4):391-2 (ISSN: 1076-0512)). Dieses ist bisher die einzige kontrollierte international publizierte Studie zu diesem Thema.In der Zwischenzeit wurden mit dieser Methode mehrere tausend Patienten behandelt. Das Indikationsspektrum hat sich erweitert (Reiterhosen, Bauch, Lipome, Doppelkinn, Knie, Innenschenkel etc.) und wie immer bei neuen Therapiemethoden gibt es eine Pro- und Kontradiskussion.

Wie läuft die Behandlung ab?

Mit feinen Nadeln wird Phosphatidylcholin in die oberen Fettschichten der zu behandelnden Region gespritzt. Manchmal kommen noch Zusatzstoffe dazu, welche die Durchblutung fördern. Um gute Ergebnisse zu erzielen muß man die Substanz gleichmäßig im Fettgewebe verteilen und eine konstante Injektionstiefe einhalten. Es gehört Erfahrung dazu, sonst sind die Resultate unbefriedigend.

Was passiert mit dem Fett?

Es löst sich auf und wird von Transporteiweißkörpern in die Leber gebracht, wo es abgebaut wird.

Wieviel Therapiesitzungen braucht man?

1-6 je nach Region, Geschlecht und Fettvolumen

Wie finde ich einen Therapeuten?

z.B. unter www.injektionslipolyse.de

Nebenwirkungen

Erwärmung und Rötung der behandelten Region. Juckreiz und Druckgefühl. Fettzysten bei ungleichmäßiger Injektion.

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Welche Gefahren bestehen bei der Anwendung?

Die Methode wird zunehmend durch die Medien in der Öffentlichkeit bekannt und auch öffentlich kontrovers diskutiert.
Auffallend ist, daß die meisten Negativkommentare Ihren Ursprung in den Fachgebieten haben, die bisher von der operativen Behandlung der Fettpolster leben (Chirurgen, operativ tätige Hautärzte usw.). Hier haben einzelne Kollegen aber auch die entsprechenden Fachgesellschaften sehr schnell eine überwiegend ablehnende Haltung eingenommen.
In den USA ist nach anfänglicher Stimmungsmache gegen dieses neue schonende Verfahren eine große Zahl von Plastischen Chirurgen dazu übergangen, die Methode - durchaus kritisch - zu begleiten. Inzwischen gibt es dort sogar sehr viele hochangesehene Plastische Chirurgen, die die Methode als Alternative zur Fettabsaugung oder für kleine Fettpartien nutzen. Wegen der "Konkurenz"-Situation zu den chirurgischen Verfahren wurde die Methode bisher aber oftmals von nichtoperativ tätigen Ärzten erprobt und weiterentwickelt, bei denen vielfältige Injektionstechniken sowieso zum Fachgebiet gehören (z.B. Allgemeinmediziner, Naturheilkundler usw.)
Die Injektionslipolyse wurde weltweit seit 1995 bei mehr als 15.000 Patienten angewendet – bisher gibt es in der gesamten medizinischen Literatur keinen erwähnten Fall von Nebenwirkungen, die über vorübergehendes Brennen, Rötungen oder leichte Schwellungen im Einstichbereich hinaus gehen. Darüber hinaus hat die Erfinderin, Frau Dr. Rittes, eine im international angesehenen Fachmagazin Aesthetic Plastic Surgery veröffentlichte Patientenstudie zur Wirksamkeit und Verträglichkeit veröffentlicht. Rund 500 Patienten wurden über mehr als vier Jahre beobachtet – in keinem einzigen Fall kam es zu ernsteren Problemen.
Derzeit führt Professor Johannes Huber von der Unifrauenklinik Wien eine erste universitäre Anwendungsstudie durch. Professor Huber wird bei 50 Frauen das Körperfett vor und nach dreimaliger Injektion von Phophatidylcholin mittels DXA (Dual-X-Ray-Absorptiometry) untersuchen und die Ergebnisse dann veröffentlichen.

Injektionslipolyse und Fettabsaugung - Gegensätze ?

Falls sich die Wirksamkeit auch in grösseren Studien nachweisen läßt und auch in Zukunft keine ernsteren Nebenerscheinungen auftreten, wäre die Methode eine ideale Ergänzung der bisherigen chirurgischen Maßnahmen oder auch eine Alternative bei weniger "schweren" Fällen, also wenn die zu entfernende Fettmenge nicht zu groß ist.
Zur Entfernung größerer Fettdepots dürften aber die "Absaugung" oder andere chirurgische Verfahren Mittel der ersten Wahl bleiben. Bei der Liposuktion (Absaugung) mit einer (Micro-)kanüle kann man grössere Fettvolumina gezielter entfernen als mit der Injektionslipolyse.
Risikofrei ist die Fettabsaugung aber natürlich auch nicht: Darauf weist z.B. ein Artikel aus der Medical Tribune vom 13.02.2004 hin: Laut aktueller Untersuchungen der Universität Bochum kamen allein von 1998 bis 2002 zwölf Menschen durch diese Methode in Deutschland um. In mehr als 40 weiteren Fällen kam es zu schweren Komplikationen, darüber hinaus registrierten die Wissenschaftler zahlreiche Fälle von Bauchwanddeffekten, Thrombosen etc. und das auch bei einwandfreier Behandlungstechnik. Diese Zahlen muß man allerdings vor dem Hintergrund der vielen Behandlungsfälle heutzutage sehen.